Digital Work

Warum scheitern Unternehmen mit No-Code-Plattformen bei der Prozessdigitalisierung?

No-Code-Projekte scheitern im Mittelstand selten an der Plattform. Meist fehlen ein geklärter Prozess, ein Verantwortlicher je App und ein Rahmen für Daten und Lizenzen. Welche Frühwarnzeichen du erkennst und womit der Start gelingt.

Von Florian Obermeier · Marketing Operations Manager
Warum scheitern Unternehmen mit No-Code-Plattformen bei der Prozessdigitalisierung?

Die meisten Unternehmen scheitern mit No-Code-Plattformen bei der Prozessdigitalisierung an der Organisation rund um das Werkzeug. Ein ungeklärter Prozess wird automatisiert, und wenn die Person, die die App gebaut hat, die Stelle wechselt, kümmert sich niemand mehr darum. PASSION4IT setzt deshalb mit dem Digital Check beim Prozess an, bevor in Microsoft Power Automate oder Power Apps der erste Flow entsteht.

Woran scheitern No-Code-Projekte in der Prozessdigitalisierung am häufigsten?

In unserer Projekterfahrung an der Reihenfolge. Das Werkzeug ist an einem Nachmittag eingerichtet, der Prozess dahinter ist oft seit Jahren nicht beschrieben. Wer mit dem Bauen anfängt, digitalisiert die Unklarheit gleich mit.

Die Ursachen ähneln sich von Betrieb zu Betrieb. Die Tabelle zeigt die Muster, die wir am häufigsten sehen, jeweils mit Frühwarnzeichen und Gegenmaßnahme.

UrsacheFrühwarnzeichenGegenmaßnahme
Werkzeug vor ProzessDer Flow hat mehr Sonderfälle als HauptwegProzess auf einer Seite beschreiben, bevor gebaut wird
Kein VerantwortlicherNur eine Person weiß, wie die App funktioniertOwner und Stellvertretung je App benennen
Apps ohne GovernanceFlows heißen »Test 3« und laufen im persönlichen KontoUmgebungen, Namensregel und Datenrichtlinie festlegen
LizenzüberraschungEin fertiger Flow soll plötzlich an das ERP angebunden werdenLizenzbedarf vor dem Bau der Anbindung klären
Schlechte StammdatenDer Flow bricht an Dubletten oder leeren Pflichtfeldern abStammdaten bereinigen und Pflichtfelder festlegen
Keine FehlerbehandlungNiemand merkt, dass der Flow seit Tagen stehtFehlermeldung an ein Postfach oder einen Teams-Kanal leiten
Keine MessungAuf die Frage nach dem Nutzen gibt es nur ein GefühlZeitaufwand vorher und nachher erfassen

Warum macht Automatisierung einen schlechten Prozess oft schlimmer?

Weil ein automatisierter Prozess Fehler schneller und unauffälliger wiederholt als ein Mensch. Wer manuell freigibt, merkt einen Widerspruch und ruft kurz an. Ein Flow leitet den Vorgang weiter, auch wenn er an der falschen Stelle landet.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung. Ein Betrieb mit 120 Mitarbeitenden digitalisiert die Bestellfreigabe. Im Einkauf gibt es eine Wertgrenze, in der Fertigung eine andere, und ein Standort gibt alles über den Werksleiter frei. Wer das ungeklärt in einen Flow übersetzt, baut drei Abzweigungen mit Ausnahmen, die nach einem halben Jahr keiner mehr versteht. Hätte der Betrieb zuerst eine gemeinsame Regel vereinbart, wäre ein einziger Freigabeweg entstanden.

Welche Abläufe sich überhaupt eignen, beschreibt Wie weiß ich, welche meiner Prozesse sich für Automatisierung eignen? ausführlich.

Was passiert, wenn der Ersteller einer App das Unternehmen verlässt?

Dann steht die App oft still, oder sie läuft weiter, ohne dass jemand sie ändern kann. Fachleute nennen das den Bus-Faktor. Er beschreibt, wie viele Personen ausfallen dürfen, bevor niemand mehr eine Lösung versteht, und bei selbst gebauten Apps liegt er häufig bei eins.

No-Code senkt die Hürde zum Bauen, und genau deshalb entstehen Apps nebenbei. Die Kollegin aus der Buchhaltung baut einen Flow für Reisekostenbelege, er läuft gut, und zwei Jahre später wechselt sie in eine andere Firma. Hängt der Flow an ihrem persönlichen Konto, ist die Abhängigkeit an diesem Tag sichtbar. Eine benannte Stellvertretung und eine kurze Dokumentation im Team verhindern das.

Warum braucht No-Code einen Governance-Rahmen?

Weil jede App auf Unternehmensdaten zugreift und damit dieselben Fragen aufwirft wie jede andere Software. Es geht darum, wer bauen darf und welche Daten in welche Dienste fließen dürfen. Ohne Antworten darauf wächst ein Bestand an Apps, den niemand überblickt.

Der Rahmen kann schlank bleiben. Für den Anfang reichen eine Testumgebung getrennt von der produktiven und eine Namensregel. Dazu kommt eine Datenrichtlinie, die festlegt, welche Konnektoren erlaubt sind. Dazu gehört ein Blick auf die Lizenzen. Manche Konnektoren setzen in Power Automate eine höhere Lizenzstufe voraus, und das fällt oft erst auf, wenn ein fertiger Flow ein weiteres System anbinden soll. Wer den Lizenzbedarf vor dem Bau klärt, erspart sich die Diskussion über ein Budget, das niemand eingeplant hat.

Bei PASSION4IT gehört dieser Rahmen zu Digital Work. Dort klären wir, wie im Betrieb gearbeitet wird, bevor neue Technik dazukommt.

Warum bleiben Flows stehen, ohne dass es jemand merkt?

Meist wegen fehlender Fehlerbehandlung und unsauberer Daten. Ein Flow, der an einem leeren Pflichtfeld scheitert, meldet das oft nur der Person, die ihn gebaut hat. Ist diese Person im Urlaub oder nicht mehr im Unternehmen, bleibt der Fehler liegen.

Stammdaten sind dabei die häufigste Bruchstelle. Ein Lieferant ist zweimal angelegt, oder in einem Datumsfeld steht Text. Jeder dieser Fälle stoppt einen Flow, der sauber gebaut ist. Deshalb gehört zu jeder Automatisierung ein definierter Fehlerweg, etwa eine Benachrichtigung in einen Teams-Kanal, den mehr als eine Person liest.

Ohne Messung fehlt außerdem jedes Argument für den nächsten Schritt. Ein Rechenbeispiel zeigt die Größenordnung. Spart ein Flow pro Vorgang 6 Minuten und läuft er 40-mal in der Woche, sind das 4 Stunden pro Woche. Mit dieser Zahl lässt sich gegenüber der Geschäftsführung argumentieren.

Was macht No-Code-Projekte im Mittelstand erfolgreich?

Ein beschriebener Prozess mit einem Verantwortlichen je App, gestartet an einem kleinen Anwendungsfall. Wer so beginnt, hat nach wenigen Wochen einen Flow, der im Alltag trägt, und kann daraus Regeln für die nächsten ableiten.

  1. Prozess zuerst. Beschreibe den Ablauf auf einer Seite, mit Hauptweg und den zwei wichtigsten Ausnahmen.
  2. Owner und Stellvertretung. Jede App hat zwei Namen, die sie verstehen und ändern können.
  3. Leichter Rahmen. Testumgebung und Namensregel stehen fest, bevor die zweite App entsteht, ebenso die Liste der erlaubten Konnektoren.
  4. Ein Standardablauf als Start. Eine Freigabe oder eine wiederkehrende Benachrichtigung eignet sich besser als ein Projekt über mehrere Systeme.
  5. Schulung für die Bauenden. Wer Flows erstellt, braucht Grundlagen zu Fehlerbehandlung und Datenzugriff.

Für den fünften Punkt bietet die PASSION4IT Academy das Training »Power Automate im M365-Alltag: Freigaben und Standardabläufe automatisieren«. Es gehört zum Themenfeld Digital Work, das 39 Euro pro User und Jahr kostet. Jedes Training dauert 20 bis 30 Minuten und läuft am Arbeitsplatz, lizenziert wird pro User.

Wie ein Einstieg mit kleinem Budget aussieht, steht in Wie kann ein mittelständisches Unternehmen mit begrenztem Budget in die Automatisierung einsteigen?.

Wo setzt PASSION4IT an?

Am Anfang steht der Digital Check zum Festpreis von 3.950 Euro zuzüglich Reisekosten. Er dauert zwei bis vier Wochen und bewertet den digitalen Reifegrad über fünf Dimensionen, darunter die Prozesse. Das Ergebnis ist eine priorisierte Roadmap, aus der hervorgeht, welche Abläufe reif für eine Automatisierung sind und wo zuerst Ordnung nötig ist.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum scheitern Unternehmen mit No-Code-Plattformen bei der Prozessdigitalisierung?

Meist an der Organisation rund um das Werkzeug. Ungeklärte Prozesse werden automatisiert, und die fertigen Apps haben oft keinen Verantwortlichen mehr. PASSION4IT klärt deshalb im Digital Check zuerst die Prozesse.

Brauche ich für Power Automate eine zusätzliche Lizenz?

Das hängt davon ab, welche Systeme der Flow anbinden soll. Einfache Abläufe innerhalb von Microsoft 365 sind oft mit der vorhandenen Lizenz möglich, manche Konnektoren setzen eine höhere Lizenzstufe voraus. Kläre den Bedarf, bevor du die Anbindung baust.

Wer sollte im Unternehmen Flows bauen dürfen?

Personen aus den Fachbereichen, die den Prozess kennen und eine Grundschulung haben. Wichtig ist, dass jede App einen Owner und eine Stellvertretung hat und in einer festgelegten Umgebung entsteht.

Womit sollte ein Betrieb bei No-Code anfangen?

Mit einem einzelnen Standardablauf, etwa einer Freigabe, der heute manuell und nach festen Regeln läuft. Daran lassen sich Namensregel und Fehlerweg erproben, bevor größere Projekte starten.

Gibt es eine Power-Automate-Schulung für den Mittelstand?

Ja. Die PASSION4IT Academy bietet das Training »Power Automate im M365-Alltag: Freigaben und Standardabläufe automatisieren« im Themenfeld Digital Work für 39 Euro pro User und Jahr. Die Einheiten dauern 20 bis 30 Minuten und laufen am Arbeitsplatz.

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